Hamburg, 14. August 2020 

Richtigstellungen des Nochtspeichers zur Causa Lisa Eckhart

In der Debatte zur Ausladung Lisa Eckharts vom Harbour Front Festival scheinen zunehmend Unklarheiten in Umlauf zu geraten; leider fehlen dem Nochtspeicher derzeit Kraft, Zeit und Manpower für Interviews, unsere Situation ist wegen Corona dramatisch, wir kämpfen um die Arbeitsplätze unserer Angestellten und die Existenz des Nochtspeichers.

Zur Klarstellung:

Wir sind nicht der Veranstalter oder Kurator der „Debütantensalons“. Wir sind eine von 16 Locations, die der Veranstalter Harbour Front Festival bespielt.

Wir haben keine „Drohungen“ erhalten und das auch nicht gesagt. Wir haben Warnungen bezüglich einer Störung oder Sprengung der Veranstaltung erhalten, die uns plausibel schiennen. Eine Location, die eine störungsfreie und sichere Veranstaltung nicht garantieren kann – wozu Einhaltung des Corona-Schutzes gehört –, handelt unseres Erachtens verantwortungslos, zumal uns eine Verlegung in eine geeignetere Location seitens der Veranstalter problemlos schien.

Das bedeutet nicht, dass „unsere Nachbarschaft“ bösartig wäre oder Angst verbreitet. Aber Auftritte von umstrittenen Künstlern erzeugen bekanntlich weitaus größere Widerstände und Erregung, wenn sie in einem Viertel stattfinden, das potentielle Störer als das „ihre“, als „linkes“ Viertel betrachten, selbst wenn sie dort gar nicht wohnen.

In Gesprächen mit Harbour Front Mitte Juli herrschte Einigkeit darüber, dass der Eckhart-Debütantensalon aufgrund unserer Befürchtungen bei uns nicht stattfinden soll, denn natürlich ging es auch darum, den Debütanten einen ungestörten Wettbewerb zu garantieren. Damals war seitens Harbour Front noch die Rede von einer Verlegung des Veranstaltungsortes, wovon wir ausgingen, von der definitiven Ausladung Eckharts erfuhren wir erst am 4. August.

Wir kennen und schätzen die Harbour-Front-Macher als engagierte und leidenschaftliche Literaturmenschen, die ein großartiges Festival geschaffen haben. Eine Beurteilung ihrer Entscheidung von außen ist wohlfeil, wenn man nicht selbst die Verantwortung für eine Veranstaltung, ihr Gelingen, ihre Gäste trägt.

Unsere Entscheidung, auf Verlegung der Eckhart-Lesung zu dringen, haben wir weder leicht- fertig noch grundlos getroffen. Und wir hätten natürlich auch jederzeit zugestimmt, hätte Harbour Front die komplette Debütantensalon-Reihe verlegen wollen, wir hätten das für die beste Lösung gehalten; es wäre uns noch nicht mal finanzieller Schaden entstanden, da die Debütantensalons für uns immer defizitär und eine reine Herzensangelegenheit sind.

Wir würden uns wünschen, dass statt eines Blame Games eine Diskussion darüber stattfindet, wie es zu der Atmosphäre von Cancel-Culture-Ängsten kommt, die zu einer solchen Situation geführt hat, denn Vorfälle dieser Art häufen sich, die Causa Dieter Nuhr vs. DFG ist bekanntlich nur zwei Wochen her. Wir sollten die Gelegenheit zu dieser wichtigen Debatte nicht verschenken, im Nochtspeicher ist derzeit eine Podiumsdiskussion dazu für September geplant.

Das Nochtspeicher-Team

 

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Hamburg, August 2020

Der Nochtspeicher zur Causa Lisa Eckhart im „Debütantensalon“ des Harbour Front Literaturfestivals

Wir begrüßen, daß die Ausladung Lisa Eckharts vom Harbour Front Literaturfestival zu einer öffentlichen Debatte führt, diese gesellschaftliche Debatte ist überaus wichtig, um der bedrohlich um sich greifenden „Cancel Culture“Einhalt zu gebieten.

Es ist alarmierend, wenn Künstler unter dem Damoklesschwert der sozialen Ächtung arbeiten oder sogar eine „Kontaktschuld“ durch einen gemeinsamen Auftritt mit einer unliebsamen Person befürchten müssen; wenn Auftritte gesprengt oder gewaltsam verhindert werden.

Wir mußten die Erfahrung bereits 2016 mit einer Lesung Harald Martensteins machen, bei der ein Grüppchen „Aktivisten“, einheitlich in schwarzen Bomberjacken uniformiert, zunächst versuchte, die Veranstaltung zu sprengen, wegen angeblicher „Frauenfeindlichkeit“ Martensteins. Das Angebot von beiden VeranstalterINNEN und Martenstein selbst, auf der Bühne miteinander zu diskutieren, wurde nicht angenommen; stattdessen aber beim Abzug die Gasflasche unseres Heizgeräts in der – überdachten – Raucherecke sabotiert: Das Ventil rausgerissen, die Flasche aufgedreht. Wir haben es noch rechtzeitig bemerkt.

Seit 2016 ist das „Deplatforming“ bekanntlich fortgeschritten und die Atmosphäre aggressiver geworden. Angesichts der Erfahrung mit der MartensteinLesung und nach besorgten Warnungen aus der Nachbarschaft (nicht, wie inzwischen kolportiert, "Drohungen") waren wir uns sicher, daß die Lesung mit Lisa Eckhart gesprengt werden würde, und zwar möglicherweise unter Gefährdung der Beteiligten, Literaten wie Publikum.

Alle Beteiligten sollten ein Recht auf die ungestörte Vorstellung der „Debütantensalon“-Romane haben. Nur diese im Nochtspeicher zu garantieren, in einem der Viertel Hamburgs, wo eine Eskalation am Wahrscheinlichsten ist, dazu sind wir nicht im Stande. Wir waren gezwungen, Harbour Front um eine Verlegung der Lesung zu bitten, und danken den Harbour Front-Veranstaltern für ihr volles Verständnis der Situation.

Diese Situation ist miserabel, und wir bedauern sie zutiefst. Aber eine Gefährdung der Gäste und Künstler ist für uns nicht akzeptabel. Wir sind diejenigen, die dafür vor Ort verantwortlich sind.

Das Nochtspeicher-Team

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